Die US-Bankenbranche übt gemeinsam Druck auf den Kongress aus, um die vage formulierten Zinsklauseln für Stablecoins im CLARITY-Gesetz zu verschärfen. Laut Tokenpost-Bericht haben die American Bankers Association (ABA), die Independent Community Bankers of America (ICBA) sowie 76 bundesstaatliche Bankenverbände am 13. Juli (Ortszeit) einen gemeinsamen Brief an die Führung des Senats gerichtet. Darin wird darauf hingewiesen, dass die drei Begriffe „interest” (Zinsen), „yield” (Ertrag) und „rewards” (Prämien) im Gesetzentwurf zu Stablecoins unklar definiert sind. Die Banken argumentieren, dass eine vage Formulierung dazu führen könnte, dass Zahlungs-Stablecoins faktisch zur Alternative für Bankeinlagen werden und damit einen „Deposit Flight” (Abfluss von Einlagen) auslösen. Ihre Forderung: Zahlungs-Stablecoins sollen strikt auf die Funktion als „Zahlungsmittel” beschränkt bleiben, und jede verdeckte Prämienstruktur, die das „Zinsverbot” umgeht, soll unterbunden werden.
Redaktionelle Einordnung: Diese Nachricht trifft eigentlich „Cashback”, nicht „Zahlungsverkehr”
Vorab das Fazit: Das Ziel dieser Lobbyaktion ist nicht die Kartenfunktion von USDT-Karten, sondern das Geschäftsmodell, bei dem Kartenanbieter Zinsen oder hohe Cashback-Beträge auf Ihr Stablecoin-Guthaben zahlen.
Die Funktionsweise der meisten USDT-Kreditkarten besteht darin, das aufgeladene USDT als Ausgabelimit zu nutzen und beim Bezahlen in Echtzeit umzurechnen und abzurechnen – dies ist eine reine „Zahlungsmittel”-Nutzung und liegt genau innerhalb der Grenze, die die Bankenbranche akzeptieren würde. Diese grundlegende Zahlungsfunktion ist von der aktuellen Klauseldebatte kaum betroffen, etwa die auf asiatisch-pazifischen Routing basierende virtuelle Visa-Karte MPCard in der Variante Asia Elite, die selbst nicht auf „Zinsen auf gehaltenes Guthaben” als Verkaufsargument setzt.
Tatsächlich im Risikobereich befinden sich zwei Kategorien von Modellen:
- Produkte, die Zinsen bzw. Erträge auf Stablecoin-Guthaben zahlen: Wenn ein Kartenanbieter oder eine verbundene Plattform auf Ihr USDT-Guthaben eine jährliche Rendite zahlt, ist genau das der „Yield”, den die ABA unterbinden möchte.
- Karten, deren Kernangebot hohes Cashback (rewards) ist: Einige Karten von Krypto-Börsen locken seit Langem mit „Cashback in USDT / Plattform-Token beim Bezahlen”. Die Cashback-Strukturen von Crypto.com Visa und Coinbase Card könnten beide in die Diskussion um die Definition von „rewards” einbezogen werden.
Erwarteter Zeitrahmen: Es handelt sich bisher nur um einen gemeinsamen Brief, nicht um ein Gesetzgebungsergebnis. Innerhalb von 7 Tagen wird sich an keinem Kartenprodukt etwas ändern; innerhalb von 30 Tagen ist zu beobachten, ob der Senat diese Klausel in eine offizielle Überarbeitung aufnimmt; innerhalb von 90 Tagen, falls das CLARITY-Gesetz zur Abstimmung kommt, könnten sich für Stablecoin-Zins- und Cashback-Produkte für US-Privatkunden erste substanzielle Anpassungen ergeben. Nutzer von grundlegenden Zahlungs-USDT-Karten müssen in dieser Zeit nichts unternehmen.
Historischer Vergleich: Parallelen zum USDC-Depeg 2023 und den MiCAR-E-Geld-Token-Klauseln
Die zentrale Forderung der Bankenbranche – „Zahlungs-Stablecoins dürfen keine Zinsen zahlen” – ist keine neue Idee, sondern ein bekannter roter Faden europäisch-amerikanischer Regulierung.
- Gemeinsamkeit mit der EU-MiCAR: MiCAR legte bei der Gesetzgebung 2023 bereits fest, dass E-Geld-Token (EMT, also Zahlungs-Stablecoins) den Inhabern keine Zinsen zahlen dürfen. Die aktuelle Forderung der US-Bankenbranche zielt im Kern darauf ab, das in MiCAR bereits verankerte „Zinsverbot” auch in US-Bundesrecht zu übernehmen. Die Richtung ist dieselbe.
- Unterschied: MiCAR wurde von der Regulierungsbehörde initiiert – top-down gesetzgeberisch. Diesmal handelt es sich um eine aktive Lobbyarbeit von Geschäftsbanken, mit dem klaren Motiv, die eigene Einlagenbasis zu schützen. Wie streng oder locker die Klausel letztlich ausfällt, hängt daher vom Kräfteverhältnis zwischen Banken-Lobbying und Gegen-Lobbying der Kryptobranche ab – die Unsicherheit ist entsprechend höher.
- Bezug zum USDC-Depeg im März 2023: Jenes Ereignis legte die enge Verflechtung von Stablecoin-Reserven mit dem traditionellen Bankensystem offen (Circles Einlagen bei der Silicon Valley Bank). Dass die Bankenbranche nun umgekehrt einen „Abfluss von Einlagen in Stablecoins” befürchtet, ist die Kehrseite derselben Medaille – die Substitutionsbeziehung zwischen Stablecoins und Bankeinlagen ist genau die Grenze, die Regulierer immer wieder klar ziehen wollen.
Regulatorische Grenzen: Was ist derzeit Grauzone, was ist bereits klar geregelt
Für USDT-Kartennutzer sind drei Linien zu unterscheiden:
- Eindeutig erlaubt: USDT als Ausgabelimit zu nutzen und beim Bezahlen in Echtzeit abzurechnen. Dies ist die „Zahlungsmittel”-Nutzung, die von den globalen Hauptregulierungen anerkannt wird.
- Rechtliche Grauzone: Stablecoin-„Cashback / Rewards” – handelt es sich dabei um Marketinganreize oder verdeckte Zinsen? Genau das soll die aktuelle CLARITY-Gesetz-Debatte klären.
- Tendiert zum Verbot: Direkte Zinszahlungen bzw. Erträge auf Zahlungs-Stablecoin-Guthaben sind in der EU bereits ausdrücklich verboten; die USA bewegen sich in dieselbe Richtung.
Leser in den USA können sich in unserem US-Compliance-Leitfaden über die aktuelle Struktur der Bundes- und einzelstaatlichen Regulierung informieren. Zu beachten ist: Diese Gesetzgebung richtet sich an in den USA ausgegebene Stablecoin-Produkte für US-Privatkunden. Für Nutzer, die eine Karte über asiatisch-pazifische oder andere Offshore-Routen halten, ist die direkte rechtliche Bindung begrenzt – die globale Compliance-Strategie der Kartenanbieter könnte jedoch indirekt betroffen sein.
Wichtige Meilensteine, die es zu beobachten gilt
- Überarbeiteter Senatstext: Zu beobachten ist, ob das CLARITY-Gesetz klare Definitionen für die drei Begriffe interest / yield / rewards liefert und ob „rewards” separat ausgenommen wird.
- Gegen-Lobbying der Kryptobranche: Ob Coinbase, Circle und andere öffentlich auf den gemeinsamen Bankenbrief reagieren – ihr Cashback- und Ertragsgeschäft ist direkt betroffen.
- Ankündigungen der Kartenanbieter: Karten von Krypto-Börsen, deren Kernangebot Cashback ist, veröffentlichen bei Änderungen der US-Cashback-Regeln in der Regel 30 Tage im Voraus eine entsprechende Ankündigung.
- Neueste Auslegung der MiCAR-Durchführungsbestimmungen: Wie streng die EU bei der Frage auslegt, ob Prämien Zinsen darstellen, dient häufig als Referenz für die US-Gesetzgebung.
Redaktionelle Empfehlung
- Nutzer, die USDT-Karten nur für den täglichen Zahlungsverkehr verwenden: Kein Handlungsbedarf. Diese Debatte betrifft die Zahlungsfunktion nicht – im MPCard-Test befinden sich diese grundlegenden, kreditlimit-basierten Produkte auf der sicheren Seite.
- US-Nutzer, die ihre Kartenwahl auf Cashback / Zinserträge stützen: Machen Sie „hohes Cashback” vorerst nicht zum einzigen Auswahlkriterium. Es empfiehlt sich, bis zur Verabschiedung der überarbeiteten Senatsfassung stabilere Kennzahlen wie Gebühren und Wechselkurskosten stärker zu gewichten – siehe unseren Vergleich der günstigsten Gebührenkarten 2026.
- Nutzer, die planen, eine neue Cashback-Karte einer Krypto-Börse zu beantragen: Kein Grund zur Panik wegen einer möglichen Abschaltung, aber eine Beobachtungsphase von 30 Tagen wird empfohlen – bis die Definitionsdetails der Klausel klarer sind, bevor Sie entscheiden, ob sich eine höhere Cashback-Rate lohnt.
- Was Sie nicht tun sollten: Ziehen Sie wegen eines Lobbyschreibens nicht panisch Ihr Stablecoin-Guthaben ab oder kündigen Sie keine Karte – derzeit ist keine einzige Klausel in Kraft getreten, und keine einzige Kartenfunktion hat sich geändert.
Wir verfolgen die Überarbeitung des CLARITY-Gesetzes im Senat weiter und aktualisieren die betreffenden Kartentests, sobald es substanzielle Änderungen bei den Cashback-Regeln gibt.