Die Kakao Group und der Stablecoin-Emittent Circle haben ein Memorandum of Understanding (MOU) unterzeichnet, um gemeinsam Zahlungen, grenzüberschreitende Überweisungen, Händlerabwicklung und tokenisierte Finanzdienstleistungen auf Basis eines Won-Stablecoins zu erforschen. Die Nachricht wurde am 23. Juli von Cointelegraph berichtet. Damit geht einer der größten Internetkonzerne Südkoreas – zu dessen Ökosystem der landesweite Messenger KakaoTalk, der Zahlungsdienst KakaoPay sowie die mit ihm verbundene Krypto-Börse Upbit gehören – erstmals öffentlich eine systematische Zusammenarbeit mit dem zweitgrößten globalen Stablecoin-Emittenten zur Infrastruktur eines Stablecoins in Landeswährung ein. Das MOU-Stadium bedeutet, dass es sich weiterhin um eine Absichtserklärung handelt – es gibt noch kein Produkt, keinen Ausgabezeitplan und keine regulatorische Genehmigung.
Redaktionelle Einordnung: Was bedeutet das konkret für koreanische USDT-Kartennutzer?
Vorweg das Fazit: Wenn du derzeit USDT für Ein- und Auszahlungen in Südkorea sowie für Abos ausländischer Dienste nutzt, ändert diese Nachricht in den kommenden 90 Tagen nichts an deinem Vorgehen. Es handelt sich um ein mittelfristiges Signal, kein unmittelbares Ereignis.
Die eigentliche Wirkungskette sieht so aus: Koreanische Nutzer setzen derzeit USDT-Karten im Wesentlichen ein, um die Reibung zwischen Won- und Dollar-Zahlungsschienen zu umgehen – On-Chain-₮ wird direkt in eine nutzbare Visa/Mastercard-Karte umgewandelt. Sollte Kakao × Circle tatsächlich einen regulierten Won-Stablecoin realisieren, würde das langfristig einen Teil dieser “Umweg”-Nachfrage verdrängen: Ein Stablecoin in Landeswährung könnte direkt innerhalb des KakaoPay-Ökosystems abgerechnet werden, ohne den Umweg über Dollar-Assets.
Für Nutzer, die auf US-amerikanische bzw. ausländische Abos angewiesen sind, hat das jedoch praktisch keine Auswirkung. Abos wie ChatGPT Plus, Claude Pro oder Cursor werden weiterhin in Dollar abgerechnet – ein Won-Stablecoin löst nicht das Kernproblem, “eine Karte zu brauchen, die Dollar-Abos bezahlen kann”. Diese Nutzergruppe wird weiterhin auf USDT-Karten setzen, etwa auf die im Bybit-Card-Test oder OKX-Card-Test beschriebenen Optionen, die unter asiatisch-pazifischen Nutzern relativ verbreitet sind. Wer gezielt eine Karte für den koreanischen Einsatzbereich sucht, findet Orientierung in unserer Bestenliste der U-Karten für Korea.
Erwartetes Zeitfenster:
- Innerhalb von 7 Tagen: Keine Produktänderung, reine Nachrichtenlage.
- Innerhalb von 30 Tagen: Beobachten, ob Circle und Kakao Details zur technischen Zusammenarbeit oder zum Pilotumfang veröffentlichen.
- Innerhalb von 90 Tagen: Ob sich das MOU zu einem formellen Produkt oder Antrag auf eine regulatorische Sandbox entwickelt, ist der entscheidende Indikator für den Ernst der Lage.
Historischer Vergleich: Worin unterscheidet sich diese Kooperation von früheren Circle-Partnerschaften?
Circle treibt seit einigen Jahren Stablecoins in Landeswährung im asiatisch-pazifischen Raum voran – dies ist nicht das erste Mal. Zuvor hat das Unternehmen in mehreren Märkten die Einführung von EURC (Euro-Stablecoin) vorangetrieben und war an Stablecoin-Diskussionen im Rahmen der Reform des japanischen Zahlungsdienstegesetzes beteiligt. Im Vergleich zu diesen Fällen gibt es bei der Kakao-Kooperation zwei Unterschiede:
- Gemeinsamkeiten: In allen Fällen nutzt Circle das Modell eines “regulierten Stablecoins in Landeswährung”, um in einen neuen Währungsraum einzutreten – statt schlicht USDC zu bewerben.
- Unterschiede: Kakao verfügt über den größten Nutzerverteilungskanal Südkoreas (KakaoTalk + KakaoPay). Diese landesweite Reichweite fehlte Circle in anderen Märkten meist. Das bedeutet: Sollte das Projekt realisiert werden, könnte die Skalierung deutlich schneller erfolgen als bei Circles Vorstößen in Europa oder Japan.
Ein bemerkenswertes Gegenbeispiel ist der kurzzeitige Verlust der Dollarbindung von USDC im März 2023 – damals hatte Circle Reserven in Höhe von 3,3 Milliarden US-Dollar bei der Silicon Valley Bank gebunden, USDC fiel zeitweise auf rund 0,87 US-Dollar. Das erinnert daran: Die “Stabilität” eines Stablecoins hängt von der Qualität der Reserven und der Regulierung ab – auch bei Stablecoins in Landeswährung ist das nicht anders. Sollte das Kakao-Projekt realisiert werden, hängt seine Glaubwürdigkeit maßgeblich davon ab, welche Anforderungen die koreanische Finanzaufsicht an die Verwahrung der Reserven stellt.
Regulierung und Compliance: Stablecoins bleiben in Südkorea eine Grauzone
Wichtiger Hintergrund: Der regulatorische Rahmen für Stablecoins in Südkorea ist noch nicht endgültig festgelegt. Das “Gesetz zum Schutz von Nutzern virtueller Vermögenswerte” ist 2024 in Kraft getreten, betrifft jedoch vor allem den Nutzerschutz auf Ebene der Börsen – die Regeln für die Ausgabe von Stablecoins in Landeswährung befinden sich noch in der gesetzgeberischen Diskussion. Das MOU zwischen Kakao und Circle bewegt sich genau in dieser Grauzone – derzeit weder eindeutig erlaubt noch eindeutig verboten, alles hängt von der weiteren Gesetzgebung und möglichen Regulatory-Sandbox-Regelungen ab.
Aus diesem Grund führen wir vorerst keine eigene Compliance-Seite für Südkorea. Wer die bereits etablierte Regulierungslogik für Stablecoins in Nachbarjurisdiktionen verstehen möchte, findet Orientierung in unserem Compliance-Leitfaden für Japan und unserem Compliance-Leitfaden für Singapur – beide Länder verfügen bereits über relativ klare Regeln zur Emission und Reservenhaltung von Stablecoins und dienen als Referenzrahmen für die künftige Entwicklung in Südkorea. Was die Nutzung von USDT-Karten selbst betrifft: Solange die Mittelherkunft legal ist und ordnungsgemäß deklariert wird, gilt dies in den meisten asiatisch-pazifischen Jurisdiktionen weiterhin als Grauzone, nicht als Verbot.
Wichtige Meilensteine, die es zu beobachten gilt
- Offizielle technische Offenlegung durch Circle / Kakao: Ob nach dem MOU eine konkrete Architektur (Ausgabe-Chain, Reservebank, Abwicklungsmechanismus) benannt wird.
- Fortschritt der Stablecoin-Gesetzgebung in Südkorea: Sollten die Regeln zur Ausgabe von Stablecoins in Landeswährung in der zweiten Jahreshälfte 2026 vorangetrieben werden, entscheidet dies unmittelbar über die Realisierbarkeit des Projekts.
- Ob KakaoPay einen Pilotbetrieb startet: Dies wäre das stärkste Signal für den Übergang von “Absicht” zu “Produkt”.
- Circles globale Strategieentwicklung: Das Tempo bei Stablecoins in Landeswährung im asiatisch-pazifischen Raum (insbesondere Japan und Südkorea) lässt sich über die Ankündigungsseite der Circle-Website verfolgen.
Redaktionelle Empfehlung
- Für koreanische Nutzer mit Bybit Card / OKX Card oder anderen USDT-Karten: Keinerlei Handlungsbedarf. Diese Nachricht ist eine Produktabsicht und hat keinen Einfluss auf Gebühren, Limits oder Verfügbarkeit deiner bestehenden Karte.
- Wer die Karte hauptsächlich für ausländische Dollar-Abos (ChatGPT / Claude / Cursor) nutzt: Vollständig unbetroffen. Ein Won-Stablecoin löst nicht das Problem dollarbasierter Abos – nutze weiterhin deine bestehende USDT-Karte.
- Für Nutzer, die überlegen, auf den Won-Stablecoin zu warten: Das ist nicht ratsam. Der Weg vom MOU zum fertigen Produkt dauert üblicherweise Quartale bis Jahre, und ob eine regulatorische Freigabe erfolgt, ist völlig offen. Wer jetzt Ein- und Auszahlungsbedarf hat, sollte pragmatisch eine bereits verfügbare Karte aus unserer Bestenliste der U-Karten für Korea wählen.
- Verschiebe kein Geld aufgrund einer bloßen “Erforschungs”-Nachricht in irgendein angebliches “Kakao/Circle-verbundenes” Won-Stablecoin-Produkt – derzeit existiert kein offizielles Produkt, und jedes unter diesem Namen betriebene Fundraising sollte als Betrug betrachtet werden.
Wir aktualisieren diesen Artikel, sobald Circle oder Kakao substanzielle Fortschritte bekannt geben.